Aktenregister
Folge 5 · Fallakte · Velbert-Langenberg · 1962–1966

Jürgen Bartsch – Der Kirmesmörder

FaktAussageTheorieOffen
Kurzüberblick

Worum es geht.

  • Fakt

    Jürgen Bartsch tötete zwischen 1962 und 1966 vier Jungen im Alter von acht bis 13 Jahren. Die Taten führten in einen ehemaligen Luftschutzstollen in Langenberg, heute ein Stadtteil von Velbert. [Q1]

  • Fakt

    Am 18. Juni 1966 konnte der 14-jährige Peter Freese aus dem Stollen entkommen. Die anschließenden Ermittlungen führten zur Festnahme Bartschs, der die Taten gestand. [Q1]

  • Fakt

    Auf das erste Urteil von 1967 folgten dessen Aufhebung durch den Bundesgerichtshof 1969 und ein zweiter Prozess. 1971 wurden zehn Jahre Jugendstrafe sowie eine anschließende psychiatrische Unterbringung verhängt. [Q1][Q2]

Zeitleiste

Der Fall im Verlauf.

  1. 01
    1962–1966

    Vier getötete Jungen

    Vier Jungen werden von Bartsch in einen ehemaligen Luftschutzstollen gelockt, sexuell missbraucht und getötet. Die Akte verzichtet auf grafische Tatdetails. [Q1]

  2. 02
    18. Juni 1966

    Peter Freese entkommt

    Der 14-Jährige befreit sich und flieht. Bei der Suche nach dem Täter führt auch der Hinweis auf einen früheren, eingestellten Ermittlungsfall zu Bartsch. [Q1]

  3. 03
    1966, nach der Flucht

    Festnahme und Geständnis

    Die Polizei nimmt Bartsch fest. Er bestreitet die Taten nicht. Ein tagesgenaues Festnahmedatum wird hier nicht behauptet. [Q1]

  4. 04
    Dezember 1967

    Erstes Urteil in Wuppertal

    Das Landgericht Wuppertal verhängt lebenslanges Zuchthaus nach Erwachsenenstrafrecht. Die Beurteilung der Schuldfähigkeit und die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts werden umstritten. [Q1][Q2]

  5. 05
    1969

    Bundesgerichtshof hebt das Urteil auf

    Die Revision der Verteidigung führt zur Aufhebung des ersten Urteils. Eine neue Verhandlung folgt; die Aufhebung ist kein Freispruch. [Q1][Q2]

  6. 06
    6. April 1971

    Zweites Urteil in Düsseldorf

    Die Düsseldorfer Jugendkammer verhängt zehn Jahre Jugendstrafe mit anschließender Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt. Im Mittelpunkt stehen die Verantwortlichkeit und die psychiatrische Begutachtung. [Q1][Q2]

  7. 07
    28. April 1976

    Tod bei einem operativen Eingriff

    Bartsch stirbt im Alter von 29 Jahren bei einer Kastrationsoperation in der Landesheilanstalt Eickelborn. Der WDR-Rückblick von 2006 nennt einen Narkosefehler als Ursache. [Q2]

Spuren

Was festgestellt wurde – und was nicht.

Flucht und Ermittlungsansätze

  • Fakt

    Feststellung: Peter Freese entkam am 18. Juni 1966. Ein weiterer Hinweis betraf einen Jungen, der bereits 1961 einer Begegnung mit Bartsch entkommen war; die damaligen Ermittlungen waren eingestellt worden. [Q1]

  • Theorie

    Deutung: Der spätere Hinweis war ein Ermittlungsansatz. Der eingestellte frühere Fall ist nicht als zusätzliche Mordverurteilung zu lesen. [Q1]

  • Offen

    Die vollständigen Vernehmungsprotokolle und damaligen Ermittlungsakten liegen dieser Darstellung nicht zugrunde. [Q1]

Geständnis und Tatort

  • Fakt

    Feststellung: Bartsch gestand die Taten. Der WDR beschreibt den ehemaligen Luftschutzstollen als Tatort der vier Tötungen. [Q1][Q2]

  • Theorie

    Deutung: Geständnis und Tatortdarstellung betreffen die Taten; sie beantworten nicht allein die rechtliche Frage nach Schuldfähigkeit und anzuwendendem Strafrecht. [Q1][Q2]

  • Offen

    Eine vollständige Inventarliste forensischer Befunde wird ohne zugängliche Originalakten nicht behauptet. [Q1][Q2]

Psychiatrische Begutachtung

  • Fakt

    Feststellung: Die beiden Verfahren kamen zu unterschiedlichen Bewertungen. Der WDR berichtet für den zweiten Prozess von eingeschränkter Schuldfähigkeit. [Q1][Q2]

  • Theorie

    Deutung: Psychiatrische Erklärungsansätze sind keine Entschuldigung der Taten und kein allgemeiner Beleg, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen gewalttätig sind. [Q1][Q2]

  • Offen

    Individuelle Ursachen lassen sich nicht aus einzelnen biografischen Angaben ableiten. Diese Akte stellt keine eigene Diagnose. [Q1][Q2]

Gerichtliche Vorgänge

Verfahren und Entscheidungen.

Erstes Strafurteil · aufgehoben

Wuppertal 1967 und Revision 1969

  • Fakt

    Die Wuppertaler Kammer wandte Erwachsenenstrafrecht an und verurteilte Bartsch zu lebenslangem Zuchthaus. 1969 hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil auf. [Q1][Q2]

  • Offen

    Die vollständigen Entscheidungsgründe werden hier nicht wiedergegeben. Aus der Aufhebung darf weder ein Freispruch noch die Bestätigung sämtlicher Feststellungen des ersten Urteils abgeleitet werden. [Q2]

Neuverhandlung · Jugendstrafrecht

Düsseldorf 1971

  • Fakt

    Am 6. April 1971 wurden zehn Jahre Jugendstrafe mit anschließender Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt verhängt. [Q2]

  • Fakt

    Der WDR beschreibt die Unterbringung als unbefristeten Maßregelvollzug. Die zehnjährige Jugendstrafe bedeutete daher keinen zugesicherten Entlassungstermin nach zehn Jahren. [Q2]

  • Aussage

    Verteidiger Rolf Bossi erklärte im WDR-Rückblick, die Sachverständigen seien zu der Auffassung gekommen, das Verhalten sei nicht beherrschbar und Ausdruck einer Krankheit. Dies ist die rückblickende Aussage des Verteidigers, nicht ein hier wiedergegebenes Originalgutachten. [Q2]

Spätere Entwicklungen

Was danach geschah.

  • Fakt

    Bartsch blieb in psychiatrischer Unterbringung. 1976 starb er bei einer Kastrationsoperation in Eickelborn. [Q2]

  • Aussage

    Der WDR-Stichtag vom 6. April 2006 führt seinen Tod auf einen Narkosefehler zurück. Diese Angabe wird dem Bericht zugeordnet; eine eigene medizinische Bewertung erfolgt nicht. [Q2]

  • Offen

    Die hier ausgewerteten Quellen sind journalistische Rückblicke, keine vollständigen Gerichts-, Klinik- oder Obduktionsakten. Weitergehende Aussagen zu Verantwortlichkeiten beim Eingriff bleiben deshalb ausgespart. [Q1][Q2]

Folge anhören

Die Folge zum Fall.

Quellen und Bildmaterial

Originalquellen.

  1. Q1
    Er tötete vier Kinder: Serienmörder Jürgen Bartsch
    WDR · True Crime · Ohne hier gesichertes Veröffentlichungsdatum; geprüft am 10. Oktober 2026

    Öffentlich-rechtlicher Rückblick zu Taten, Flucht, Ermittlungen und Prozessen, mit Einordnungen einer Psychologin und eines Justizsprechers. Journalistische Sekundärquelle, keine vollständige Gerichtsakte.

  2. Q2
    Vor 35 Jahren: Zweites Urteil gegen Sexualmörder Jürgen Bartsch
    WDR · Stichtag · 6. April 2006

    Öffentlich-rechtlicher historischer Rückblick auf die Urteile, die Aufhebung 1969, die psychiatrische Unterbringung und den Tod 1976. Enthält rückblickende Aussagen des Verteidigers; diese werden als Aussagen gekennzeichnet.

Bildmaterial (extern)

Nur externe Verweise; keine Übernahme der Bilder und keine Zusage einer Nutzungslizenz.

Redaktioneller Stand: 10.10.2026

Inhaltshinweis: Diese Akte behandelt sexualisierte Gewalt gegen Kinder, Tötungsdelikte und einen tödlich verlaufenen medizinischen Eingriff. Grafische Beschreibungen werden vermieden. Die Opfer und der Überlebende stehen nicht für eine bloße Tätergeschichte; psychiatrische Einordnungen ersetzen keine rechtliche Prüfung.